Monats-Archive: Dezember 2010

gulou und houhai

 

Am Sonntag haben mich meine Mitbewohnerin und zwei ihrer Kolleginnen in die Gegend um den alten Trommelturm (gulou) nördlich der Innenstadt mitgenommen. Wir haben uns dann in einem kleinen Café erst mal mit Kuchen und Tee gestärkt, bevor wir uns ins Getümmel gestürzt haben. In dem Viertel rund um den Trommelturm sieht es noch so aus, wie man sich Peking vorstellt. Kleine einstöckige Häuser, verwinkelte schmale Gässchen und kleine Garküchen. In den Gässchen haben sich zwar mittlerweile auch Souvenirläden niedergelassen, aber das tut dem Charme der Gegend keinen Abbruch. Der Chinakitsch, der hier verkauft wird passt irgendwie doch dazu. Über einen kleinen Kanal kommt man an den Houhai, den hinteren See, an dessen beiden Uferseiten Trauerweiden wachsen und an dessen südöstlichem Teil viele Kneipen und Restaurants sind. Trotz der vielen Spaziergänger, die alle die Wintersonne genossen, war es sehr entspannt. In diese Gegend wird es mich bestimmt noch öfter verschlagen. Vor allem im Frühjahr, wenn man am Ufer sitzen und Bier trinken kann.

Letzte Woche hatte ich auch noch ein typisch chinesisches Erlebnis. Mein erstes offizielles Mittagessen, zu dem einer der stellvertretenden Chefredakteure des Senders geladen hatte. Wir kamen, wie es sich für die deutsche Abteilung gehört, als erstes im Restaurant an und wurden dann erst mal zu einem der zahlreichen Bankett-Räume geleitet. Dann ging alles seinen Gang, inklusive einer Rede, vieler unterschiedlicher leckerer Gerichte, nettem Geplauder und pausenlosem Anstoßen mit Rotwein. Dabei gingen einige der Herren ständig von einem Tisch zum anderen, um auch jedem persönlich Zuzuprosten. Man konnte dabei sehr schön die Hierarchien beobachten. Als wir wieder im Sender ankamen, war ich tatsächlich etwas beschwipst. Diese Trinkerei am Mittag ist einfach nichts für mich. Aber daran muss ich mich wohl gewöhnen. Nett war es auf alle Fälle.

Morgen früh fahre ich nochmal zur Öffentlichen Sicherheit, um mein Visum abzuholen. Dann ist der Großteil des ganzen Organisationskrams vorbei. Puh!!!

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