{"id":450,"date":"2011-07-03T05:45:08","date_gmt":"2011-07-03T03:45:08","guid":{"rendered":"http:\/\/skarr.de\/?p=450"},"modified":"2012-05-23T08:56:05","modified_gmt":"2012-05-23T06:56:05","slug":"alles-neu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/skarr.de\/?p=450","title":{"rendered":"alles neu"},"content":{"rendered":"<p>So, nachdem ich die letzten Monate richtig faul gewesen bin&#8230; Seit Anfang Mai habe ich eine neue Wohnung. Und das war eine der besten Entscheidungen \u00fcberhaupt. Statt im tiefen Westen der Stadt, fast eine Stunde vom Zentrum entfernt, wohne ich jetzt direkt n\u00f6rdlich der Innenstadt. Mit der wundersch\u00f6nen Gulou-Gegend in Laufweite. \u00a0Und einem der gro\u00dfen Busbahnh\u00f6fe um die Ecke.<\/p>\n<p>Allerdings bin ich, soweit ich wei\u00df, die einzige Ausl\u00e4nderin, die sich hier niedergelassen hat. Seit ich hier wohne, habe ich nur zwei Mal andere laowai, wie die Nicht-Chinesen hier genannt werden, zu Gesicht bekommen. Neulich habe ich Obst gekauft. Als der Verk\u00e4ufer mir eine gro\u00dfe Ananas geben wollte, habe ich ihm gesagt, dass ich lieber eine kleine h\u00e4tte. Daraufhin meinte der Mann neben mir: \u201eJaja, die braucht keine gro\u00dfe Ananas. Die wohnt doch alleine, da ist eine gro\u00dfe zu viel. Das verdirbt ja sonst.\u201c Und ich hatte ihn noch nie vorher gesehen. War etwas seltsam. Die Leute im Viertel sind, nachdem sie sich an mich gew\u00f6hnt haben, gr\u00f6\u00dftenteils nett. Manchmal f\u00fchle ich mich aber doch wie eine Au\u00dferirdische. Aber so merkt man \u00a0mal, wie es ist, wenn man anders als alle anderen aussieht.<\/p>\n<p>Jetzt brauche ich zwar eine Stunde bis ich auf der Arbeit bin, aber der Weg zu U-Bahn entsch\u00e4digt mich jeden Morgen. Er ist zum einen ganz sch\u00f6n, da er direkt am Kanal entlangf\u00fchrt. Und zum anderen sehr unterhaltsam.<\/p>\n<p>Mir kommen Massen an Leuten entgegen, die in den umliegenden B\u00fcrogeb\u00e4uden arbeiten. Dadurch sehe ich immer, welche Klamotten und Schuhe gerade angesagt sind. Zur Zeit sind es bei den Frauen gestreifte T-Shirt-Kleider oder Kleidchen, die aussehen, wie aus der Biedermeierzeit. Mit Kr\u00e4gelchen und Handschuhen. Teilweise sind die Frauen auch total vermummt, um nicht braun zu werden. Wei\u00dfe Haut gilt vielen noch als elegant.<\/p>\n<p>Auf dem Weg sehe ich immer einen \u00e4lteren Mann, der in einem Torbogen seine morgendlichen Tai-Qi \u00dcbungen macht. Mit musikalischer Untermalung. Ein St\u00fcck weiter die Stra\u00dfe runter steht ein Taxi am anderen. Aber nicht weil die Fahrer auf Kundschaft warten. Hier wird P\u00e4uschen gemacht. Die Fahrer holen sich entweder Wasser aus dem Kanal und waschen liebevoll ihre Wagen. Man meint fast, ins sonnt\u00e4gliche Deutschland der 70er Jahre zur\u00fcckkatapultiert worden zu sein. Oder sie setzen sich miteinander hin und spielen Karten oder Mahjongg, w\u00e4hrend gleichzeitig viel geraucht und erz\u00e4hlt wird. Da es hier mittlerweile richtig hei\u00df ist rollen sie ihre Hemden \u00fcber den Bauch hoch oder ziehen sie gleich ganz aus. Wie fast alle M\u00e4nner in der Stadt. Die Nackte-Wampen-Dichte steigt proportional zur Temperatur.<\/p>\n<p>Einige Pekinger kommen schon fr\u00fch an den Kanal, packen ihre Angelruten aus und fischen. Das kann den ganzen Tag dauern. Ab und zu kommen Freunde zum Plaudern vorbei oder Leute, die was zum Essen bringen. Andere setzen sich auf die B\u00e4nke und lesen oder \u00fcben sich in der Pekingoper. In der Unterf\u00fchrung nahe meiner Wohnung sitzt Nachmittags ein \u00e4lterer Herr, der Lieder auf einer Art Trompete spielt. Weil die Akustik dort so gut ist. Ich freue mich immer, wenn ich ihn im Vorbeigehen h\u00f6re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, nachdem ich die letzten Monate richtig faul gewesen bin&#8230; Seit Anfang Mai habe ich eine neue Wohnung. Und das war eine der besten Entscheidungen \u00fcberhaupt. 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